Storyhunter-Event zum Tag des Meeres im Multimar Wattforum

Am 8.6. ist internationaler 'Tag des Meeres', World Oceans Day. Diesen Anlass konnten Sie in diesem Jahr nutzen, um mehr über das einmalige Weltnaturerbe Wattenmeer im Multimar Wattforum in Tönning zu erfahren. An diesem Tag waren auch die Geschichtenjäger im Multimar.

Sie sind die Aussätzigen der Meere. Durchscheinend sammeln sie sich am Wassersaum und werden von Strandgängern gemieden als seien sie in tausend Scherben zersprungenes Glas. Kinder erklären die gestrandeten Nesseltiere zu ihren Folterobjekten, bohren mit Stöckchen einmal quer durch, garnieren den Wackelpudding mit feinen Sandkrumen und werfen im ausgerufenen Wettbewerb den Glibberkörper wie eine Diskusscheibe dem Horizont entgegen.

Dabei entpuppt sich die Qualle spätestens auf den zweiten Blick als Faszinosum. Zu 99 % aus Wasser bestehend macht sie sich seit jeher, genauer seit 670 Millionen Jahren, in den Höhen und Tiefen des Meeres breit. Wie ein Schmetterling, der nach antikem Mythos die Seele der Toten beherbergt, durchwandert die Qualle mehrere Lebensstadien, fällt als dahintreibende Larve auf den Boden des Meeres, wandelt sich vom fest verankerten Polypen zur freischwimmenden Medusa. Und obwohl ohne Gehirn ausgestattet, sind die Sinne fein und ausgeklügelt, lassen Licht und Schwere verspüren, Beute erspähen und Feinde abschütteln. Ganz ohne Berührung pflanzen sich Quallen fort. Nur durch bloße Annäherung verschmelzen Samen und Ei miteinander. Zwitter machen sich noch unabhängiger, kommen ganz ohne Pendant aus und produzieren eins nach dem anderen, erst die männlichen dann die weiblichen Geschlechtszellen.

Eines können Quallen allerdings nicht und das wird ihr zum Verhängnis. Sie sind den Strömungslaunen des Meeres ergeben, können Ziele nicht aus eigener Kraft ansteuern, so dass sie wie gefallenes Laub mit einem Rechen zusammengefegt werden. Am Ufer der Meere liegen sie dicht nebeneinander und vertrocknen in der Mittagshitze. Ein Friedhof der seinesgleichen sucht. Wären es Schmetterlinge, lägen die mitleidigen Blicke nicht weit. Bei Quallen aber sieht das anders aus.

Autorin: Josephine Kujau

Multimar Wattforum

Wie riesig ist ein Pottwal, wie klein ein Seepferdchen? Sind Seehasen Osterhasen, weil sie Eier legen? Warum sind Störe ausgestorben? Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum beantwortet alle Fragen rund um den Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und entführt die Gäste in die faszinierende Unterwasserwelt von Deutschlands größtem Weltnaturerbe.

Das Multimar Wattforum zeigt in 36 großen Aquarien die Tiere des Wattenmeeres, insgesamt mehr als 280 Arten von Fischen, Krebsen, Muscheln und Schnecken. Während Störe, Nagelrochen und Katzenhaie majestätisch ihre Runden im Großaquarium drehen, verstecken sich die Hummer lieber in ihren Höhlen und die Seepferdchen zwischen den Algen.

Abtauchen in die Welt der Wale und einem 18 Meter langen Pottwal in die Augen sehen: auch dazu lädt das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum ein. Der Pottwal war vor einigen Jahren im Wattenmeer gestrandet. Rund um das Pottwal-Modell sind zehn Kammern angeordnet, die vor allem auch über die heimischen Schweinswale im Nationalpark Wattenmeer informieren.

Das Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum gibt Erklärungen zur faszinierenden Natur im Weltnaturerbe Wattenmeer. Modelle helfen der Phantasie auf die Sprünge, Computer ermöglichen intensives Erforschen, Spiele regen zum Mitmachen an. Man kann mit einer Kurbel Wellen im Brandungsbecken erzeugen oder versuchen, auf einem Fahrrad die Leistung eines Grünschenkels zu überbieten. Oder man kann einem Taucher beim Füttern im Großaquarium zusehen und ihm per Mikrofon Fragen stellen.

Weitere Informationen:
Nationalpark-Zentrum Multimar Wattforum
Am Robbenberg
25832 Tönning
Telefon: 04861 / 96 200, Fax: 04861 96 20 10

www.multimar-wattforum.de

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