"Sielortfete" im Nordseeheilbad Horumersiel-Schillig

Ein Mal jährlich feiern die Horumersieler und Schilliger vor Beginn der Hauptferienzeit mit ihren vielen tausend Gästen ein dreitägiges Straßenfest. Die 30. "Sielortfete" fand in diesem Jahr vom 17. bis 19. Juni statt und bildete einen gebührenden Rahmen für die Geschichtenjäger.

Drei Freunde, allesamt irgendwie mit Horumersiel verwachsen, hegen einen Traum. Literatur und Kunst soll in das verschlafene Küstenstädtchen einziehen und aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden. Zum Mitmachen sind alle aufgefordert. In Workshops und Lesungen, aufbereitet durch Text und Bild, setzen sich Horumersieler, Meeresanbeterinnen und Nordsee(e)migranten mit dem Heute und Damals des sich stetig wandelnden Ortes auseinander.

Judith Hermann, als Erzählerin einem großen Publikum bekannt geworden, ist eine, deren Blick seit langer Zeit an Horumersiel haftet. Den autobiographischen Text, den sie an diesem Abend liest, hat sie eigens zu diesem Anlass gezückt. Über 6 Generationen erzählter Erinnerung spannen sich wie weißes Segeltuch vor den Zuschauern auf. Alles fängt an mit der Ururgroßmutter Juliane und dem Ururgroßvater Fritz, dem Leuchtturmwärter, an. Geschichten wie aus einem Märchenbuch. Die persönliche Erinnerung setzt mit den Gedanken an die frühen Sommertage ihrer Kindheit ein, solch glücksbeseelte, dass sich die Autorin wünschte, sie hätten ihre gesamte Kindheit gefüllt. Jeden Sommer besuchte sie das Haus der Großmutter, ging ehrfürchtig durch den Türrahmen, über dem mit großen Lettern, "Bei Sturm und Wetter ist Gott dein Retter", geschrieben stand. Mit Kaleidoskopaugen blickt Judith Hermann auf ein Horumersiel, wie es gegenwärtig nur noch zu erahnen ist. Wo sich heute ein gepflasterter Parkplatz erstreckt, wurde einst im Hafenbecken geschwommen und Krabben direkt vom Kutter aufgabelt. Lässt man die Zahlen sprechen, klingt das so: 1919 zehrte der Ort von einem Telefon, zwei Zelten, drei Gaststätten und vier Badekutschen. Heute wachen zwei Hochhäuser über die Stadt, in Souvenirläden verkauft man allerlei Leuchttürme und wie Treibgut anmutendes und der Campingplatz wächst zum größten der gesamten Nordseeküste heran.
Man könnte den Vorwurf erheben, dass Rückblicke per se besser wegkommen als die Empfindungen der Gegenwart. Aber bei dem Gedanken an frisch gepulte Krabben und Planschen im Hafenbecken wird klar, dass es mehr als nur ein romantisch-verklärter Rückblick ist, der an diesem Abend in das Gedächtnis der Zuhörer geschrieben wird. "Orte wie Horumersiel leben nicht von der Erinnerung", resümiert die Autorin zurückhaltend. Die Frage, ob es sich ohne Erinnerung überhaupt aushalten lässt, muss an diesem Abend jeder selbst beantworten.

Josephine Kujau

Über Horumersiel-Schillig

Das Nordseeheilbad Horumersiel-Schillig konnte bereits im letzten Jahr auf eine 150jährige Geschichte als Badeort an der Nordsee zurückblicken. Es ist der besonderen geografischen Lage des Ortes an der nordöstlichen Spitze der Ostfriesischen Halbinsel zu verdanken, dass man hier einen, für Küstenorte eher ungewöhnlich ausgedehnten Sandstrand vorfindet, der an die vorgelagerten Ostfriesischen Inseln erinnert.

Bei Ebbe zieht sich die Nordsee hier weit zurück, so dass sogar Wattwanderungen bis zur Vogelschutzinsel Minsener Oog möglich sind. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer Wattwanderungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und ganz neu ist die "Forschungsstation Wattenmeer", in der gerade die jungen Gäste im Anschluss an eine Wattexkursion ihr Wissen um diesen einzigartigen Lebensraum "wissenschaftlich" vertiefen können.

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Quelle Text und Foto: WANGERLAND TOURISTIK GmbH