20.06.2012 | Biodiversity, Lower Saxony

Über 600 Arten an einem Tag auf Langeoog entdeckt - GEO Tag der Artenvielfalt 2012

In diesem Jahr fand der bundesweite GEO Tag der Artenvielfalt bereits zum 14. Mal statt. Auch im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer trafen sich wieder über 40 Wissenschaftler/innen, um auf Artensuche zu gehen. Nachdem in den letzten Jahren die Inseln Wangerooge (2008), Norderney (2009), Spiekeroog (2010) und Baltrum (2011) im Fokus standen, wurde dieses Jahr Langeoog unter die Lupe genommen.

Direkt am Hafen der autofreien Insel begrüßte Langeoogs Bürgermeister Uwe Garrels die Experten, gab einen kurzen Überblick über die inseltypischen Lebensräume, Watt, Salzwiesen, Dünen und Strand. Er hob hervor, wie wichtig die genaue Erfassung und Dokumentation der Artenvielfalt sei, auch wenn an einem Tag natürlich nur eine Momentaufnahme entstehe. Peter Südbeck, Leiter des Nationalparks wies bei der Vorbesprechung in der Jugendherberge darauf hin, dass die Inventarisierung der vorhandenen Arten eine wichtige Grundlage für Schutzmaßnahmen sei. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sei dabei führend unter den Nationalen Naturlandschaften in Deutschland. Ausgerüstet mit Inselplänen, Ferngläsern, Keschern und Lupen verteilten sich die Expert/innen anschließend in kleinen Gruppen über die Insel. Vor Ort waren Spezialisten für Pflanzen, Moose, Flechten, Vögel, Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Nachtfalter, Tagfalter, Wanzen, Zikaden, Heuschrecken, Libellen, Käfer und Wattlebewesen. Bereits am Vorabend wurden Fledermäuse kartiert, mit dabei waren auch Katja Bias und Torsten Lau, zwei der Langeooger Junior Ranger.

Am Nachmittag trafen sich die Gruppen wieder in der Jugendherberge, um ihre Aufzeichnungen zusammen zu tragen und anschließend die Ergebnisse und Highlights vorzustellen.

Insgesamt wurden trotz des anfangs durchwachsenen Wetters über 600 Arten gefunden, darunter auch einige Erstnachweise für die Ostfriesischen Inseln und für Langeoog.

So wurden etwa 140 Käferarten, 35 Zikadenarten, 19 Wanzenarten, 9 Wasserwanzenarten, 5 Heuschreckenarten und 3 Libellenarten gefunden. Unter den 27 Schmetterlingsarten waren elf Erstnachweise für Langeoog, wie der Breitgebänderte Labkrautspanner, sowie ein Erstnachweis für die Ostfriesischen Inseln.
Die Botaniker fanden um die 250 verschiedenen Pflanzenarten. Besonders hervorzuheben ist beispielsweise die Mondraute, ein seltenes Farngewächs, welches stabile Vorkommen auf Langeoog hat.
Die Vogelkundler zählten insgesamt 84 verschiedene Arten, darunter den Löffler und die Sumpfohreule, aber auch Singvögel wie das Blaukehlchen oder den Gartenrotschwanz.

Die Amphibien waren mit nur einer Art – der Kreuzkröte – vertreten. Diese hat jedoch sehr gute Bestandszahlen. Ein Nachweis für den Grasfrosch konnte nicht erbracht werden, ebenso fehlt die Bestätigung für das Vorkommen von Eidechsen.

Insgesamt ein tolles Ergebnis, für die wenige zur Verfügung stehende Zeit. Trotzdem blieb Raum für den fachlichen Austausch, der dank der Gastfreundlichkeit von Christoph Angres und seinem Team in der Jugendherberge bei Kaffee und Kuchen statt finden konnte.

Der GEO Tag der Artenvielfalt ist wohl die erfolgreichste Initiative zur Inventarisierung der Artenvielfalt in Deutschland. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat sich dies zur Aufgabe gemacht und fördert die Vernetzung der Wissenschaftler und Fachleute.

Quelle and Foto: www.nationalpark-wattenmeer.niedersachsen.de
Foto: Auf Artensuche Rolf Niedringhaus mit Sohn Bjarne Lücke