Wattenmeertag 2017 thematisiert Zusammenarbeit für das Welterbe

„Partnerschaften für das Weltnaturerbe“ – diesem Thema hat sich der 12. Wattenmeertag („Wadden Sea Day“) am 31. August 2017 in Wilhelmshaven verschrieben.

Die Veranstaltung eröffnete der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel. Neben Vertretern von Bund und Ländern, der Nachbarländer Niederlande und Dänemark, der involvierten Nationalparks und weiterer Partnerorganisationen nahm eine Delegation aus dem italienischen Weltnaturerbe der Dolomiten teil. Der Wattenmeertag findet jährlich statt und wird vom Gemeinsamen Wattemeersekretariat (CWSS) und der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer organisiert.


V.l.n.r.: Rüdiger Strempel (Leiter Gemeinsames Wattenmeersekretariat), Bernard Baerends (Niederländisches Wirtschaftsministerium), Stefan Wenzel (Niedersächsischer Minister für Umwelt, Energie und Klimaschutz), Juliana Köhler, (Geschäftsführerin UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer Besucherzentrum Wilhelmshaven), Andreas Wagner (Oberbürgermeister Stadt Wilhelmshaven), Dr. Christiane Paulus (Vorsitzende des MAB-Nationalkomitees beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit), Peter Südbeck (Leiter Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer), Co Verdaas (Vorsitzender Waddensea Board)

Im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung standen verschiedene Formen der Kooperation, wie die kommunen- und sektorenübergreifende Bildungsarbeit im dänischen Teil des Wattenmeers, Partnerschaftsansätze in Welterbestätten mit unterschiedlichen Akteuren und die multidisziplinäre und transnationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der niederländischen Young Waddenacademie. Über solche und andere Themen berichteten Akteure aus allen Teilen der Wattenmeerregion, aus NGOs, Wissenschaft, Wirtschaft, Beratung und Verwaltung.

In seiner Begrüßung betonte Umweltminister Stefan Wenzel die Bedeutung der vertieften internationalen  Zusammenarbeit: „Jedes Welterbe braucht aktive Partner auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Der Schutz unserer einmaligen Natur ist und bleibt eine Länder und Generationen übergreifende Aufgabe. Weltnaturerbe sind wunderbare Lernorte und Erlebnisangebote für Jung und Alt.“

Mechthild Rössler leitete das Symposium thematisch ein: “In den über 25 Jahren, die ich für das Welterbezentrum arbeite, habe ich gesehen, dass langzeitiger Schutz vor allem auf erfolgreichen Partnerschaften beruht.“ Die Direktorin des UNESCO-Welterbezentrums in Paris ließ es sich trotz terminlicher Verhinderung nicht nehmen, zum Tag beizutragen, und begrüßte die etwa 90 Teilnehmer per Videobotschaft. „Die internationale Zusammenarbeit zwischen Dänemark, Deutschland und den Niederlanden zum Schutz des gesamten Wattenmeers mit Hilfe der Welterbekonvention ist ein Leuchtturm, ein Beispiel der Exzellenz für transnationale Zusammenarbeit und Partnerschaft“, so Rössler.

Am Nachmittag erörterten die Referenten in einer Podiumsdiskussion die vorgetragenen Ansätze und ihre Bedeutung für das Weltnaturerbe Wattenmeer. Trotz unterschiedlicher Auslegungen und Ansätze gab es den übergreifenden Konsens, dass das Wattenmeer und dessen außergewöhnlicher universeller Wert geschützt und für zukünftige Generationen erhalten werden müssen. Es gelte daher, die Besucher und Bewohner der Wattenmeerregion für diesen einzigartigen Naturraum zu gewinnen und sie zu Botschaftern für die Naturschutz und Nachhaltigkeit zu machen. Aktive Partnerschaften zwischen Akteuren innerhalb der Wattenmeerregion und darüber hinaus seien hierfür ein unverzichtbares Mittel.

Eine italienische Delegation reiste eigens aus dem Weltnaturerbegebiet Dolomiten zum Wattenmeertag. Das Team der Stiftung Dolomiten UNESCO pflegt eine Partnerschaft des Austausches mit dem Wattenmeersekretariat und beteiligte sich im März auf der ITB Berlin an dem Gemeinschaftsstand des Weltnaturerbes Wattenmeer. „Die Dünen am Wattenmeer und die steinigen Bergspitzen der Dolomiten scheinen sehr unterschiedlich“, sagt Marcella Morandini, Direktorin der Stiftung: „Dennoch gibt es Ähnlichkeiten, nicht nur im Sinne der Auswahlkriterien für die Eintragung in die Welterbeliste, sondern weil sie die Besonderheit teilen, sich über viele administrative und sprachliche Grenzen zu erstrecken.“ Morandini präsentierte in ihrem Beitrag die Herausforderungen und Erkenntnisse der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit in ihrer Welterbestätte.

Im Rahmen des abschließenden Empfangs feierte das Gemeinsame Wattenmeersekretariat sein 30-jähriges Bestehen. Das 1987 gegründete und in Wilhelmshaven ansässige Büro koordiniert die trilaterale Zusammenarbeit Dänemarks, Deutschlands und der Niederlande zum Schutz und Erhalt des Wattenmeers und hat den Eintrag der Stätte in die Welterbeliste maßgeblich vorangetrieben.

 

Zitate der Moderatoren und Referenten:

Co Verdaas, Vorsitzender des Wattenmeerrates:
In meinen Augen kann eine Welterbestätte nicht allein existieren; sie braucht aktive Partner in allen Bereichen der Gesellschaft. Eine Welterbestätte benötigt Partner, die, statt sie nur zu kapitalisieren, sich aktiv einbringen und ein positives Image des Welterbekonzeptes nach außen projizieren wollen.

 

 

Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer:
31 Jahre nach Gründung des Nationalparks wissen wir, ohne ein gutes Miteinander, eine echte Partnerschaft mit möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen und ein gemeinsames Eintreten für die Ziele im Naturschutz können wir nichtausreichend erfolgreich sein. Dies ist Voraussetzung für eine starke Identität der Menschen mit ihrem Weltnaturerbe und für die wichtigen Fortschritte beim Erhalt der einzigartigen Wattenmeernatur.

 

Rüdiger Strempel, CWSS Exekutivsekretär:
Welterbe ist das Erbe der gesamten Menschheit. Sein Schutz ist daher eine Aufgabe von globaler Bedeutung, die jedoch vor unserer Haustür beginnt. Der erfolgreiche Erhalt des Wattenmeers und seines außergewöhnlichen universellen Wertes erfordert das Zusammenwirken mit Partnern weltweit, aber auch und gerade die Einbindung der Menschen und Stakeholdergruppen in unserer dänisch-deutsch-niederländischen Wattenmeerregion.

 

Eelke Folmer, Young Waddenacademie:
Eine Partnerschaft ist eine engagierte, andauernde, langfristige Zusammenarbeit. In wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen sind eine optimale Anpassung an den und ein Nutzen der zukünftigen Veränderungen der Wattenmeerregion dafür Voraussetzung. Wir benötigen einen systemanalytischen Ansatz, der die Komponenten und deren Interaktionen transdisziplinär beleuchtet, um die komplexen sozio-ökologischen Aspekte der Wattenmeerregion zu verstehen. Um dieses holistische und tiefe Verständnis zu entwickeln und daraus entstehende Chancen zu nutzen, brauchen wir Engagement und Partnerschaften.

 

Peter Simonsen, Leiter des Dänischen Nationalparks Wattenmeer:
In meinen Augen ist die “bottom-up”-Herangehensweise ideal bei der Erstellung eines Bildungsnetzwerks, um alle zu involvieren und das Verständnis zu vermitteln, dass jeder für seinen eigenen Bildungsansatz verantwortlich ist. Unser Nationalpartnerprogramm für Bildung, Lernen und Kompetenzentwicklung verfolgt diesen Ansatz.

 

Hans-Ulrich Rösner, Wadden Sea Team:
Die ersten Arbeiten der Naturschutzverbände für den Schutz des Wattenmeeres reichen mehr als 100 Jahre zurück. Wir wurden dann Partner des Weltnaturerbes Wattenmeer und werden dieses weiterhin mit aller Kraft unterstützen, mit unserem Einsatz für einen verbesserten Schutz, mit Information und Bildung, und mit Zusammenarbeit mit jenen, die in der Region wirtschaften und dies nachhaltig tun.

 

Marco van der Ree, Brokering Solidarity:
Das Welterbe gehört uns allen; es prägt unsere Identität. Wenn wir zu dessen Schutz zusammenarbeiten und es zu einem Teil unserer gegenwärtigen Identität machen; wenn wir multi-Stakeholder Partnerschaften schaffen: Dann sollten wir nach Möglichkeiten suchen, wie wir materielles und immaterielles Erbe, Kultur- und Naturerbe nutzen können, um einen nachhaltigen Lebensstil zu schaffen, der unserer Identität entspricht und auch nachhaltig für zukünftige Generationen ist.

 

Gerard Kremer, MKB Noord:
Wenn das Wattenmeer eine erfolgreiche nachhaltige Tourismusdestination werden möchte, müssen sowohl Unternehmen als auch die Regierungen investieren.