Weltweit unverzichtbar

Das Wattenmeer beeinflusst die Natur auch weit außerhalb der eigenen Grenzen. Durch den Nahrungsreichtum, durch das sich im Frühjahr schnell erwärmende Wasser und durch das Fehlen großer Raubfische in den von den Gezeiten beeinflussten Gebieten, ist das Wattenmeer eine ideale Kinderstube für Fischarten aus der Nordsee. Plattfische, wie Seezunge, Scholle und Kliesche, wachsen hier auf. Wenn das Wasser im Herbst kälter wird, ziehen die jungen erwachsenen Fische in die Nordsee. Für Fische, die während ihres Lebens mal im Süßwasser und mal im Salzwasser leben, stellt das Wattenmeer ein wichtiges Übergangsgebiet dar. Für diese Fischarten, wie z.B. den Aal, gibt es hier Nahrung im Überfluss. Einige Aale bleiben sogar im Gebiet, bis sie erwachsen sind.

Derselbe Reichtum sorgt dafür, dass das Wattenmeer eine wichtige Tankstelle für Zugvögel und Wintergäste ist. Auf den trockenfallenden Wattflächen sind Würmer, Krebse und Muscheln zu finden, wovon Watvögel wie Austernfischer, Rotschenkel, Großer Brachvogel und Pfuhlschnepfe profitieren. Ihre oft langen Schnäbel sind ganz an die Nahrungssuche auf dem trockengefallenen Wattboden angepasst. An manchen Stellen finden die Vögel manchmal mehr als 1 Kilogramm 'Fleisch' pro Quadratmeter. Der tägliche Rhythmus der meisten Watvögel wird somit nicht von Tag und Nacht bestimmt, sondern von Ebbe und Flut. Bei Flut fliegen sie in großen Schwärmen zu den Flächen, die nicht überflutet werden, den sogenannten Hochwasserrastplätzen. Die tauchenden Entenarten können bei Hochwasser weiter nach Nahrung suchen. So tauchen Eiderenten nach Muscheln am Boden der Priele. Gänse wie die Ringelgans und die Nonnengans, weiden auf den grünen Salzwiesen. Das Wattenmeer ist eines der wichtigsten Überwinterungsgebiete für die Nonnengans.

Film 'Rast- und Zugvögel im Wattenmeer' (© Cinedesign/Kaufner)

Es ist nicht nur dieser Reichtum, der dem Wattenmeer seine große Bedeutung verleiht. Trockene Sandbänke und unbewohnte Inseln sorgen zudem für Rast- und Mausergebiete. Dies ist auch der Grund, warum das Wattenmeer so wichtig für Robben ist. Sie nutzen die Sandplaten und ruhigen trockenen Gebiete als Rastplätze und zum Säugen ihrer Jungen.