Ems-Dollart

In der Nähe der unbewohnten Wattenmeerinsel Rottumeroog, auf der Grenze zwischen den Niederlanden und Deutschland, liegt das 100 km² große Ems-Dollart Gebiet. Der Dollart ist eigentlich eine große Meeresbucht im Wattenmeer, in die die Flüsse Ems und Westerwoldse Aa münden. Diese Flüsse machen den Dollart so einzigartig. Sie transportieren Süßwasser heran, welches sich langsam mit dem Salzwasser des Wattenmeeres mischt. So bildet sich ein Brackwassergebiet. Es gibt nur noch wenige Gebiete, in denen Süß- und Salzwasser sich langsam vermischen. Dies ist dann auch eines der besonderen Merkmale des Wattenmeeres.

Durch die Verbundenheit des Dollarts mit dem Wattenmeer findet man hier auch den Einfluss der Gezeiten wieder. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser kann bis zu 3 Meter betragen! Bei Hochwasser wird fast das gesamte Gebiet überflutet. Der Dollart ist die letzte große Brackwassergezeitenlandschaft Europas und eine der wichtigsten Kinderstuben der Nordsee. Hier kommen zahlreiche Vögel vor, hier werden Seehunde geboren und hier wachsen verschiedene seltene und einzigartige Pflanzen.

Einzigartige Pflanzenwelt

Ein Kennzeichen des Ems-Dollart-Gebietes sind die Salzwiesen. So weit das Auge in der flachen Landschaft reicht, sieht man bewachsene Wattflächen. Die Salzwiesen sind durch die Überflutung des Watts bei Hochwasser, wobei jedes Mal etwas Schlick liegen blieb, entstanden. Letztlich wurden die Wattplaten so hoch, dass Pflanzenwurzeln auf dem Boden Halt fanden. Da das Wasser im Dollart brackig ist, findet man hier einzigartige und seltene Pflanzen, die sich an die hier herrschenden Umstände angepasst haben. Queller, Strand-Aster und Laugenblume zum Beispiel. Darüber hinaus bestehen die Wattflächen aus reinem Schlick (Klei) und nicht wie woanders aus einem Sandboden mit einer kleinen Schicht Schlick darüber.

Aufenthaltsort für unzählige Tiere

Auch Tiere sind dankbare Nutzer der Salzwiesen. Der Dollart ist ein Vogelgebiet mit weltweiter Bedeutung. Die relativ hoch liegenden Gebiete sind für sie ein wahres Paradies. Die Zahl der anwesenden Gänse, Enten, Möwen und Watvögel geht während der Zugzeit in die Hunderttausende. Watvögel nutzen die Salzwiesen bei Hochwasser als Rastplatz. Hier warten sie auf Niedrigwasser, so dass sie auf den trockenfallenden Flächen wieder nach Nahrung suchen können. Einige der (Watt-)Vögel nutzen die Salzwiesen auch als Brutplatz, wie Rotschenkel, Küstenseeschwalbe, Flussseeschwalbe, Säbelschnäbler und Lachmöwe. Aber auch unter Wasser ist das Ems-Dollart-Gebiet reich an Tieren. Die Zahl der Fischarten ist sogar ziemlich hoch. Das angrenzende Watt ist die Kinderstube für Seehunde. Der Dollart selber ist ein wichtiges Ruhegebiet für mehr als 100 dieser Säugetiere.